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Kölner Dom - Westfassade

Als am 15. Oktober 1880 in der Kreuzblume auf der Spitze des Südturmes der letzte Stein des Dombaus versetzt wurde, war der Kölner Dom mit seinen imposanten westlichen Türmen das höchste Bauwerk der Welt. Jahrhunderte waren vergangen bis die beiden Domtürme von den mächtigen Fundamenten bis zu den Spitzen der filigranen Helme emporgewachsen waren. Ihre Geschichte läßt sich bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen.
Im Jahre 1248 legte der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein zum Bau einer neuen Kölner Kathedrale in gotischen Formen. Der dem monumentalen Neubau zugrundeliegende Plan war die einzigartige Leistung eines hochbegabten Steinmetzen namens Gerhard, des ersten Dombaumeisters in Köln. Unter seinen Nachfolgern entstand um 1280 schließlich jener berühmte, über vier Meter hohe Pergamentplan mit einer detaillierten Aufrißzeichnung der Kölner Doppelturmfassade, der noch heute in der Johanneskapelle des Domes aufbewahrt wird. Diese größte bekannte Architekturzeichnung des Mittelalters gibt eine genaue Vorstellung der Planungen jener Zeit. So wie die beiden Domtürme heute in den Kölner Himmel ragen, treten sie uns bereits auf der über 700 Jahre alten Tuschezeichnung entgegen. Die durchbrochenen Maßwerkhelme stellen eine Neuerung gegenüber den französischen Vorbildern dar. Sie verleihen den gewaltigen Turmbauten zusätzliche Vertikalität. Die bauliche Umsetzung filigraner Helmarchitekturen blieb im Mittelalter aber eher die Ausnahme. Der Turmhelm des Freiburger Münsters ist eines der wenigen Beispiele hierfür.
Die Vollendung der Domtürme in Köln ließ Jahrhunderte auf sich warten. Eine kleine um 1357 geprägte Goldmünze, die erst vor wenigen Jahren bei Grabungen im Fundamentbereich des Südturmes zu Tage gefördert wurde, beweist, daß mit dem Bau der Türme frühestens um 1360 begonnen wurde. Bis gegen 1410 waren Erdgeschoß und erstes Obergeschoß des Südturmes vollendet. Als der mittelalterliche Baubetrieb um 1520 schließlich eingestellt wurde, hatte man erst eine Höhe von 56 Metern erreicht. Ein gewaltiger Baukran krönte den unvollendeten Turm und wurde mit diesem zu einem Wahrzeichen der Stadt. Das vor allem nachts in der ganzen Stadt zu hörende Quietschen und Ächzen des vom Winde bewegten Krans bildete für viele Kölner Bürger in den folgenden Jahrhunderten ein vertrautes Geräusch.
Das Mauerwerk des nördlichen Turmes erreichte im Mittelalter hingegen nur eine Höhe von wenigen Metern.
Weiterbau und Vollendung der Türme blieben dem 19. Jahrhundert vorbehalten. 1842 wiederaufgenommen, schritt der Weiterbau des Domes schnell voran. 1868 hatte der Nordturm die Höhe des südlichen Turmes erreicht. Zu diesem Zeitpunkt mußte auch der mittelalterliche Baukran den Bauarbeiten weichen. Aus seinen schweren Holzbalken wurden begehrte Souvenirs geschnitzt.
Gemäß dem mittelalterlichen Bauplan wurden die Türme ab dem 2. Obergeschoß vom quadratischen Unterbau allmählich ins Achteck überführt. Riesige Fialtürme über den Hauptstrebepfeilern an den Ecken verschleiern die Übergänge. Unter hohen, schlanken Baldachinen sind hier überlebensgroße Engelfiguren mit Musikinstrumenten und den Leidenswerkzeugen Christi zu sehen, die Dombildhauer Peter Fuchs in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts geschaffen hat.
Modernste Technik, wie der Einsatz einer Dampfmaschine, ließ beide Türme schnell in die Höhe wachsen. 632 Jahre nach der Grundsteinlegung war 1880 die größte jemals errichtete Kirchenfassade (fast 7000 m2) und mit ihr auch der gesamte Dombau vollendet.
Über 509 Stufen erreicht der heutige Besucher am Fuße des südlichen Turmhelms eine Aussichtsplattform in 97 Metern Höhe. 60 Meter trennen ihn hier noch von den Spitzen der Turmhelme, wobei der 157,38 Meter hohe Nordturm seinen südlichen Nachbarn um 7 cm überragt.

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Kölner Dom - Westfassade