Kölner Dom - Vierungsturm panorama
Die Errichtung eines Turmes über der Vierung gehörte zu den besonders spannenden neuen Bauaufgaben der Domvollendung im 19. Jahrhundert.
Mit dem fortschreitenden Weiterbau des Domes entspann sich daher schnell auch eine Diskussion um die Gestaltung des Vierungsturmes. In seinen antizipierten Vollendungsansichten des Domes hatte Sulpiz Boisserée 1821 noch einen massiven Turmbau in Stein vorgesehen. Realisiert wurde letztendlich aber eine bedeutend schlankere Turmlösung aus Eisen nach einem Entwurf von Ernst Friedrich Zwirner, nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil sich hieraus eine geringere Belastung für die bereits im 13. Jahrhundert entstandenen östlichen Vierungspfeiler ergab.
Mit dem Bau des Vierungsturmes wurde die Kölnische Maschinenbau AG in Bayenthal beauftragt, die als Sieger aus der öffentlichen Ausschreibung hervorgegangen war. In nur einem Jahr, zwischen Oktober 1859 und September 1860, wurden die zum Teil auch im Puddel- und Walzwerk der Phönix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb in Eschweiler-Aue gefertigten Profile geliefert und vor Ort montiert.
Von der ehemals prachtvollen, zumeist aus Zinkguß gearbeiteten, neugotischen Dekoration des Vierungsturmes mit Wimpergen, Fialtürmchen und Maßwerkarkaden blieben nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges nur wenige Reste erhalten. Der moderne Wiederaufbau mit einer schlichten Bleiverkleidung erfolgte zwischen 1961 und 1973 nach Entwürfen von Willy Weyres. Seit dieser Zeit zieren acht gewaltige Engelfiguren des Bildhauers Erlefried Hoppe die Pfeiler des Freigeschosses.
Von der knapp 70 m hohen Aussichtsplattform, deren Brüstung noch aus den originalen Zinkgußmaßwerken des 19. Jahrhunderts besteht, bietet sich ein einzigartiger Rundblick auf Dom und Stadt. Hier befindet sich auch auf einem kleinen eisernen Tisch, von einer Schutzvorrichtung aus Blei verdeckt, der Trigonometrische Punkt der Europäischen Gradmessung von 1867.
Schon seit 1803 diente der Kölner Dom wohl aufgrund seiner die gesamte Rheinebene beherrschenden Höhe als Ziel- und Standpunkt für weiträumige Vermessungen. Lag der Vermessungspunkt in französischer Zeit noch auf der Laterne des barocken Chordachreiters, so wurde er nach dessen Abbruch 1811 zum großen Firstkreuz des Chordaches verlegt. Im Rahmen der preußischen Katastervermessung für die Rheinprovinz und Westfalen wurden nach 1824 alle Koordinaten einheitlich auf den Kölner Dom als Nullpunkt bezogen. Ein 1860/61 auf dem unvollendeten Südturm errichteter, neuer Beobachtungspfeiler mußte 1867 bereits wieder dem weiteren Ausbau der Türme weichen. Daher wurde auf dem wenige Jahre zuvor vollendeten Vierungsturm schließlich ein eiserner Beobachtungstisch mit zentralem Meßpunkt errichtet. Dieser Stationspunkt blieb bis 1891 verbindlich, wurde dann aber durch die Spitze des Vierungsturmes abgelöst.
Auch heute noch ist der Kölner Dom im Rahmen der Landesvermessung ein trigonometrischer Punkt erster Ordnung mit dem Vierungsturm als Zentrum.