Kölner Dom - Eiserne Dachstuhlkonstruktion
Der Dachstuhl des Kölner Domes beeindruckt durch seine gewaltigen Ausmaße und die Modernität seiner Konstruktion. Was nicht zuletzt aufgrund des orangefarbenen Schutzanstrichs auf den ersten Blick den Eindruck einer modernen Nachkriegslösung erweckt, ist noch die originale Dachstuhlkonstruktion des 19. Jahrhunderts, die zwischen April und Juni 1860 über den Gewölben von Lang- und Querhaus montiert wurde. Knapp drei Jahrzehnte vor dem Bau des Pariser Eiffelturmes entstanden, stellt der Dachstuhl des Kölner Domes eines der bedeutendsten Denkmäler des frühen Eisenbaus dar.
Das Gewicht des gesamten Dachstuhles, zählt man Chor, Langhaus und die beiden Querhausarme zusammen, beläuft sich auf ca.180 t, zu denen noch das Gewicht der Bleiabdeckung hinzuzurechnen wäre, um zu ermitteln, welche Lasten insgesamt auf den Fundamenten und Mauerzügen des Mittelalters ruhen. Aber auch eine Dachstuhlkonstruktion aus massiven Eichenholzbalken hätten die Hochschiffwände des Domes durchaus tragen können.
Der nach Zwirners Idee von seinem damaligen Assistenten und späteren Nachfolger Voigtel entworfene Dachstuhl sah eine Konstruktion aus 40 monumentalen Fachwerkbindern vor. Diese wurden aus gewalzten Profilen zusammengesetzt, ihre gegossenen Fußplatten sind im Mauerwerk der Hochschiffwände verankert. Ein Gitterwerk aus unterschiedlich starken Zwischensparren und Pfetten mit zusätzlichen, diagonal über die Dachfläche gespannten dünnen Rundstäben dient als Windverband. Quer über das Schiff verlaufende Zugstangen fördern die Standsicherheit der Konstruktion. Die meisten der einzelnen Walzprofile und Gußteile sind vernietet, einige aber auch verschraubt.
Den Zweiten Weltkrieg hat der eiserne Dachstuhl des Domes trotz 14 schwerer Bombentreffer und unzähliger Brandbomben nahezu unbeschadet überstanden - eine späte Rechtfertigung für die zukunftsweisende Entscheidung Zwirners.
Nach seiner Fertigstellung wurde der Dachstuhl zum Schutz gegen Korrosion zweimal mit einem Asphaltlack gestrichen, was jedoch völlig unzureichend war und nur deshalb nicht zu verheerenden Schäden führte, weil das im Puddelverfahren gewonnene Eisen ohnehin kaum rostete. Zwischen 1968 und 1992 haben die Maler der Dombauhütte in verschiedenen Etappen den Asphaltlack mit der Drahtbürste abgetragen und durch einen doppelten Bleimennige-Anstrich ersetzt, der mit dem heute sichtbaren, orangefarbenen Lack überzogen wurde.